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Onomatopoesie

Kunst am Beton-Bau in der Europäischen Schule München

1905 fo ETHZuerichKunst gehört zu jedem schulischen Lehrplan, wird aber zugleich in seiner Inszenierung am Gebäude zum relevanten Stilelement der Gestaltung des Bauwerks und umgibt den Alltag mit anregendem Inhalt. Im Rahmen der Erstellung des Erweiterungsbaus der Europäischen Schule München (Architektur von léonwohlhage) und des Wettbewerbs „Kunst am Bau“ konnte die Künstlergruppe STOEBO mit Cisca Bogman und Oliver Störmer die Gestaltung der Pausenhalle und der Treppenhäuser unter 111 Einreichungen mit dem ersten Preis für sich entscheiden. Pünktlich zum neuen Schuljahr und dem Bezug des Gebäudes empfing auf den Sichtbetonwänden das Kunstwerk „Onomatopoesie“ der beiden Künstler Schüler, Lehrer und Eltern.

Für das „Origen Festival“ im schweizerischen Riom haben Studierende des „Master of Advanced Studies in Digital Fabrication and Architecture“ an der ETH Zürich das erste Bühnenbild aus einem robotergestützten 3D-Betondruckverfahren erschaffen. Die szenische Installation „Concrete Choreography“ besteht aus neun schalungsfrei hergestellten Betonsäulen, die mit einer Druckgeschwindigkeit von 180mm/s innerhalb von 2,5 Stunden in voller Höhe gefertigt wurden. Mit dem an der ETH Zürich entwickelten 3D-Druckverfahren eruiert das Projekt neue Perspektiven computergestützter Entwurfstechniken und digitaler Fertigungen für zukünftige Betonarchitekturen. Der hybride Forschungsansatz verbindet Materialeffizienz mit dem ästhetischen Potenzial dieser Technologie – der robotergestützte 3D-Betondruck ermöglicht die vollautomatisierte Herstellung geometrisch komplexer Texturen, der gleichzeitig mit einem kalkuliert sparsameren Materialverbrauch einhergeht. Die 2,7 Meter hohen Hohlbetonsäulen der „Concrete Choreography“ begleiten das Musiktheater in Riom nicht nur als Kulisse. Aus ihrer agilen Morphologie entsteht ein Ebenbild der Akteure, als würden die Betonhüllen jeden Moment aufbrechen und selbst aus der Reihe tanzen.

Kunst
STOEBO – Cisca Bogman & Oliver Störmer, D-10243 Berlin
www.stoebo.de

Sichtbeton-Oberflächenveredlung
PSS INTERSERVICE AG, CH-8954 Geroldswil
www.pss-interservice.ch

Riesen-Rohrpost

UHPC-Betonröhren für die erste deutsche Hyperloop-Teststrecke

1905 fo ETHZuerichStatt in Zügen oder Flugzeugen sollen Passagiere oder Güter künftig in einer rasenden Kapsel von A nach B befördert werden – ähnlich dem Prinzip einer überdimensionalen Rohrpost. An dieser Vision arbeiten Wissenschaftler weltweit ganz konkret. In Wettbewerben treten Teams gegeneinander an, die möglichst schnell ein Gefährt – den sogenannten Pod – durch eine bislang noch oberirdisch verlaufende Röhre schicken.

Bereits 2017 gewann ein Team von Studierenden der Technischen Universität München zum ersten Mal die sogenannte Hyperloop Pod Competition, die von Elon Musk und seiner Raumfahrtfirma SpaceX ins Leben gerufen wurde. Nun erreichte das Team zum vierten Mal in Folge die Spitzenposition mit einer diesjährigen Rekordgeschwindigkeit von 482 km/h – in einer Röhre aus ulttrahochfestem Beton. Eine eigene Research & Development Abteilung an der TU München untersucht das Hyperloop-Konzept hinsichtlich Machbarkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit seit nunmehr einem Jahr. Dazu entwickelten die jungen Studierenden einen ersten Prototyp für das Konzept. Dieser besteht aus einem Pod, der ein magnetisches Schwebe- und Antriebssystem beinhaltet, sowie eine Vakuum-Betonröhre, die unter anderem als Fahrweg dient. Bei der Entwicklung der 17,50 Meter langen Betonröhre konnte die HeidelbergCement AG und deren Abteilung Engineering & Innovation das Hyperloop-Forscherteam mit Expertise in der Betontechnologie und dem Produkt Effix Plus, einem Compound für ultrahochfeste Betone (UHPC) unterstützen. Mit diesem Compound war es den Entwicklern möglich, ein 90-prozentiges Teilvakuum innerhalb der Teststrecke aufzubauen und zu erhalten. Im nahezu luftleeren Leitungssystem werden die Kapseln, die durch die Röhren zirkulieren, nicht vom Luftwiderstand gebremst. Neben der Präsentation des Projektes vor Elon Musk, stellte das Team seine Hyperloop-Teststrecke hochrangigen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft vor. Dort teilten sie ihre Vision sowie die Pläne für die nächsten Schritte, hin zu einer marktreifen Entwicklung. Im nächsten Schritt plant das Team eine 20 Meter lange Teststrecke mit einem Röhrendurchmesser von zwei Metern. In Zukunft könnte diese Technik den Personen und Gütertransport revolutionieren und beispielsweise Verkehrschaos in Großstädten beseitigen.

LafargeHolcim Awards 2020 für Europa

Der weltweit bedeutendste Wettbewerb für nachhaltiges Design

1905 fo LafargeHolcimEine neunköpfige Jury unter der Leitung von Jeannette Kuo, Gründungspartnerin von Karamuk Kuo Architects (Schweiz), wird die Beiträge zum 6. Internationalen LafargeHolcim Award für die Region Europa bewerten. Die Awards zeichnen sowohl reale Projekte als auch mutige Ideen aus, die nachhaltige Baulösungen mit architektonischer Exzellenz verbinden. Der Wettbewerb ist mit einem Preisgeld von insgesamt 2 Millionen USDollar dotiert und bis zum 25. Februar 2020 offen.

In Europa gehören zur Jury Jeannette Kuo (Leiterin) sowie Kristiaan Borret, Chefarchitektin der Region Brüssel-Hauptstadt (Belgien), Nuno Brandão Costa, Gründer von Brandão Costa Arquitectos (Portugal); Eva Pfannes, Direktorin bei Ooze Architects (Niederlande); Sergei Tchoban, Leiter des Architekturbüros SPEECH und Managing Partner bei Tchoban Voss Architekten (Russland/ Deutschland); und Alexandre Theriot, Gründungspartner und Architekt bei BRUTHER (Frankreich/Schweiz). Die Jury wird ergänzt durch Mitglieder des Akademischen Komitees der LafargeHolcim Foundation Marilyne Andersen, Professorin für nachhaltige Bautechnologien, Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (Schweiz) und Dirk Hebel, Professor für nachhaltiges Bauen, Karlsruher Institut für Technologie (Deutschland), sowie Christophe Levy, Direktor für F&E Construction Solutions, die das LafargeHolcim Innovation Center (Frankreich) vertreten. Die Jury, die von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (Schweiz), einer assoziierten Universität der LafargeHolcim Foundation, ausgerichtet ist, bewertet die Einreichungen anhand der fünf „Zielpunkte" für nachhaltiges Bauen: Innovation und Übertragbarkeit (Fortschritt), ethische Standards und soziale Integration (Menschen), Ressourcen- und Umweltleistung (Planet), Wirtschaftlichkeit und Kompatibilität (Wohlstand) sowie kontextuelle und ästhetische Auswirkungen (Ort). Der Wettbewerb ist bis zum 25. Februar 2020 offen und würdigt Projekte und Konzepte aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen, Stadtplanung, Materialwissenschaften, Bautechnik und verwandten Bereichen. Eine ausführliche „Stepby- Step“-Anleitung auf der Website erklärt die Bewertungskriterien und veranschaulicht die Teilnahme am Wettbewerb. Seit 2003 fördert die LafargeHolcim Foundation den Diskurs über nachhaltiges Bauen vor allem durch ihre Awards, den weltweit bedeutendsten Wettbewerb für nachhaltiges Design. Die Stiftung ist eine Initiative von LafargeHolcim, einer der weltweit führenden Anbieter von Baumaterialien und Lösungen.

www.lafargeholcim-awards.org

 

Architect@Work in Düsseldorf

1905 fo ArchitectWorkDas erfolgreiche, zweitägige, exklusive Messeformat für Architekten, Planer und Einrichter macht wieder Station in Düsseldorf. In knapp zwei Monaten ist es wieder so weit: Die ARCHITECT@WORK Düsseldorf öffnet ihre Pforten und lädt ein sich in Halle 8B der Messe Düsseldorf auf eine spannende Reise der Innovationen zu begeben.

Junge aufstrebende Architekten treffen in Gesprächen und Diskussionen auf erfahrene Baukünstler, hier werden Ideen und Sichtweisen ausgetauscht, es wird aus dem Erfahrungsschatz erzählt und Visionen in Worte gepackt. Mit dem Programm wird die Messe ihre Besucher nicht nur für den Moment begeistern, sondern auch nachhaltig inspirieren. Die Exklusivität der Aussteller ist die besondere Stärke der beliebten Messeveranstaltung. Sie fokussiert auf Innovationen in den Bereichen Produkte, Dienstleistungen, Materialien und Anwendungen, die von den Herstellern und Vertriebspartnern präsentiert werden. Insgesamt werden es um die 200 Top-Aussteller sein, die Architekten, Planer, Ausstatter und Einrichter in sehr persönlicher Atmosphäre beraten werden. Das Auswahlverfahren seitens der Messeveranstalter, welche Neuheiten ausgestellt werden, ist streng: Das Angebot für den Besucher muss nicht nur hoch qualitativ, sondern auch themenmäßig ausgewogen sein. Für unterhaltsame, anregende und informative Abwechslung sorgt auch 2019 wieder ein hochkarätiges Rahmenprogramm mit Vorträgen aus Wissenschaft und Praxis und verschiedene Workshops, die nicht nur Gleichgesinnte zusammenbringen, sondern auch den Dialog untereinander anregen. Denn Information ist das eine, Networking das andere. Der intensive Austausch untereinander, das Kennenlernen und das Sammeln von Erfahrungen werden mit kulinarischen Köstlichkeiten und Aufenthalten in der Lounge und Bibliothek einladend ergänzt. Diese besondere Aufenthaltsqualität und natürlich alle spannenden Eindrücke, die kreativen Köpfe beflügeln und begeistern werden, sind nur einige Highlights, die dafürsprechen, sich diese beiden Tage rot im Kalender anzustreichen. Für viel Gesprächsstoff wird unter anderem auch die Materialausstellung von raumPROBE sorgen. Unter dem Titel „Umfassend Fassade“ wird sich alles um die umgebende Hülle eines Gebäudes drehen. Die Sonderschau beleuchtet das Thema Fassade in all ihrer Vielfalt und Betrachtungsweisen, den Einsatz von Materialien und deren geballte Kompetenz.

www.duesseldorf.architectatwork.de

opus C @ A@W: Besuchen Sie unseren Stand auf der Architect@Work in Düsseldorf! Wir freuen uns auf Sie!

Fluch und Segen. Kirchen der Moderne

Kirchen-Ausstellung des M:AI in begehbarem Exponat in Köln

1905 fo KircheDie Kirche St. Gertrud in Köln wird zum erlebbaren Exponat: Für die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“ inszeniert das M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW die Betonkirche von Gottfried Böhm. Themen der Ausstellung sind die Bedeutung von Kirchenbauten und der Umgang mit diesen außergewöhnlichen Räumen – angesichts der zunehmenden Leerstände.

Der Kirchenraum von St. Gertrud wird mit einer Lichtinstallation inszeniert: Grafische Elemente, kurze Erläuterungen und Zitate werden dazu an die Wände projiziert. Diese Impulse sollen einerseits das Besondere dieser Räume hervorheben und anderseits die Bedeutung des modernen Kirchenbaus aus dem zeitgeschichtlichen Kontext heraus erklären. Die Böhm-Kirche steht in der Ausstellung als zentrales Exponat stellvertretend für viele Kirchen der Nachkriegsmoderne. Das M:AI betrachtet in der Ausstellung wichtige liturgische Bereiche wie den Gemeinderaum und den Altarbereich, und es erläutert, wie dort liturgische Funktion und theologische Aussage die spezifische Raumgestalt geprägt haben. St. Gertrud verfügt noch über alle wichtigen liturgischen Ausstattungsstücke, unter anderem Altar, Taufbecken und Tabernakel – alle nach Entwürfen von Gottfried Böhm. Die Position dieser Prinzipalstücke im Raum, ihre liturgische Funktion und ihre besondere Gestalt werden erklärt. Kirchen sind Gebäude für den Ritus, aber auch gebaute Theologie. Das war zu allen Zeiten eine besondere gestalterische Herausforderung für Architekten. Der zweite Teil der Ausstellung veranschaulicht an rund 20 aktuellen Projekten in Text und Bild gelungene Konzepte für die Umgestaltung von Kirchengebäuden für andere Nutzungen. Dabei wird zum einen der Umgang mit dem Gebäude im Stadtraum betrachtet und zum anderen mit dem spezifischen Kircheninnenraum. St. Gertrud, fertiggestellt im Jahr 1965, bietet mit ihrer Fassade aus Sicht- und Waschbeton sowie ihrer asymmetrischen Form den idealen Raum für die Ausstellung. Darüber hinaus verkörpert der Ort selbst das Thema des veränderten Umgangs mit Kirchen: St. Gertrud ist seit 2010 unter anderem auch Veranstaltungsraum für Ausstellungen und Installationen. Vor der Entscheidung über Abriss, Umbau und Neunutzung stehen viele Kirchengebäude. Wie gehen wir mit diesen Bauten um, die in architektonischer, religiöser, aber auch kultureller Weise außergewöhnliche Räume erzeugen? In NRW beispielsweise gibt es rund 6.000 christliche Kirchen, von denen in den nächsten Jahren etwa 30 Prozent leer stehen werden. Gründe dafür sind unter anderem der demografische Wandel und eine säkularisierte Gesellschaft. Leerstehende Kirchen ohne neue Nutzung werden langfristig aus unseren Dörfern, Städten und Wohnquartieren verschwinden. Der Umgang mit diesem christlichen Erbe hat sich zu einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion entwickelt. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. November 2019 in st. gertrud: kirche + kultur, Krefelder Straße 57 in Köln zu sehen.

www.mai-nrw.de/fluchundsegen

 

Architekturbeton als Leinwand

1905 fo Leinwand

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt brachten am 13. und 14. September künstlerische Großprojektionen die gesamte Ostfassade des Humboldt Forums in Berlin in Bewegung. Mit der Projektion „250 Jahre jung! Alles ist Wechselwirkung“ wurde die Fassade zum Schauplatz des Lebens und Denkens Alexander von Humboldts. Alles ist Wechselwirkung – seine zentrale Feststellung über die Natur und die Welt – wurde im Zusammenspiel zwischen Licht, Bildern und Architektur erkundet. Die Projektion zeigte eine Reise in die Vielschichtigkeit und enorme Facettenhaftigkeit dieses schillernden Wissenschaftlers, Forschers und Philosophen, geprägt durch sein Verständnis von Wissenschaft: Sehen aus unterschiedlichen Blickrichtungen, vielsprachig formuliert sowie Natur und Kultur zusammendenkend.

Concrete Choreography

Bühnenbild mit tanzende Betonsäulen

1905 fo ETHZuerichMithilfe eines robotergestützten 3D-Betondrucks komponierten Studierende der ETH Zürich in Riom eine choreografische Inszenierung aus neun Betonsäulen.

Für das „Origen Festival“ im schweizerischen Riom haben Studierende des „Master of Advanced Studies in Digital Fabrication and Architecture“ an der ETH Zürich das erste Bühnenbild aus einem robotergestützten 3D-Betondruckverfahren erschaffen. Die szenische Installation „Concrete Choreography“ besteht aus neun schalungsfrei hergestellten Betonsäulen, die mit einer Druckgeschwindigkeit von 180mm/s innerhalb von 2,5 Stunden in voller Höhe gefertigt wurden. Mit dem an der ETH Zürich entwickelten 3D-Druckverfahren eruiert das Projekt neue Perspektiven computergestützter Entwurfstechniken und digitaler Fertigungen für zukünftige Betonarchitekturen. Der hybride Forschungsansatz verbindet Materialeffizienz mit dem ästhetischen Potenzial dieser Technologie – der robotergestützte 3D-Betondruck ermöglicht die vollautomatisierte Herstellung geometrisch komplexer Texturen, der gleichzeitig mit einem kalkuliert sparsameren Materialverbrauch einhergeht. Die 2,7 Meter hohen Hohlbetonsäulen der „Concrete Choreography“ begleiten das Musiktheater in Riom nicht nur als Kulisse. Aus ihrer agilen Morphologie entsteht ein Ebenbild der Akteure, als würden die Betonhüllen jeden Moment aufbrechen und selbst aus der Reihe tanzen.

www.dbt.arch.ethz.ch

Betonleichtkonstruktionen aus Ultra-Hochleistungs-Faserbeton

Werkstückhallen-Fachgespräch an der ZHAW

1904 fo ZHAW

Durch seine interessanten Eigenschaften wie die sehr hohe Druckfestigkeit, Wasserdichtigkeit, den erhöhten Widerstand gegen starke mechanische Beanspruchung und die leichte und ressourcenschonende Bauweise eröffnet ultrahochfester Faserbeton (UHFB) neue konstruktive Möglichkeiten für Sanierung und Neubau. Ueli Brauen und Dominique Moullet gewähren Einblick in Planung und Ausführung der Erweiterung des olympischen Museums in Lausanne sowie der jüngst erstellten Fußgängerbrücke La-Tour-de-Trême. Jürg Conzett berichtet von der Instandsetzung der Vorderrheinbrücke Tavanasa. Gemeinsam soll das Potenzial möglicher Anwendungen im Hochbau ausgelotet werden und praxisnah nach den planerischen Herausforderungen dieses jungen Betonverbundbaustoffes gefragt werden. Das Fachgespräch findet am 01.10.2019 um 18:00 Uhr in der Werkstückhalle statt. Referenten sind Ueli Brauen, Brauen Wälchli Architectes, Jürg Conzett, Conzett Bronzini Partner und Dominique Moullet, MFP Préfabrication. Für das Jahr 2019 ist noch ein weiteres Fachgespräch vorgesehen: am 29.10.19 zum Thema Reliefbeton: Faltenwurf in Stein – tragender Ortbeton reliefiert & geschwungen mit dem Objekt ZSC Lions Eishockey-Arena von Caruso St. John Architects. Die Dauerausstellung Werkstückhalle ist ein Projekt der ZHAW in Kooperation mit der Betonsuisse. Weitere Informationen unter www.zhaw.ch/ike/wsh.

Gestrickt und geschwungen

Beton zeigt seine leichten Seiten beim 13. Schweizer Betonforum

1904 fo BetonforumCHDie Vorträge zum Thema „Im Spannungsbogen zwischen Kreativität und Tragwerkssicherheit“ am 13. Schweizer Betonforum vom 5. Juni 2019 in Zürich ließen einen aufhorchen. Es war von Feinstickerei, Vorhängen, Falten, Strick und filigranen Netzen die Rede. Doch um kurzlebige Modetrends ging es hier kaum. Die Referenten stellten in ihrem Schaffen unter Beweis, welch kreativer Werkstoff Beton sein kann, vorausgesetzt, man wagt es, Normen auszuloten, die eigene Disziplin hinten anzustellen oder den Blick in die Vergangenheit zu richten, um Zukunftsweisendes zu schaffen.

Prof. Joseph Schwarz, ETH Zürich, moderierte die Veranstaltung. Das Thema „Im Spannungsbogen zwischen Kreativität und Tragwerkssicherheit“ beschäftigt ihn als Bauingenieur stark. Gerade bei spektakulären Bauwerken, in der Instandhaltung und beim Umbau gilt es, viele Randbedingungen einzuhalten. In der Zusammenarbeit mit dem Architekten braucht es immer Kreativität und Konzeptarbeit, um die optimale Form und spannende Lösungen zu finden, wobei „das Ziel das Werk ist und nicht das Einhalten von Regeln“. Corinna Menn, Büro Menn, „operierte durchaus an den Grenzen der bestehenden Normen“ beim Bürogebäude Unterstrasse im St. Galler Stickereiquartier. Der Nutzer wünschte sich Großraumbüros, bei denen die maximale Flexibilität für interdisziplinäres Arbeiten im Zentrum stehen sollte. Der Baukörper sollte sich außerdem in die Blockrandbebauung einfügen, in einem Quartier mit historischer Bausubstanz, das während der Blüte der Stickereiindustrie um die vorletzte Jahrhundertwende gewachsen war. Das Thema eines hallenartigen Raumes wurde zur Leitidee, die auch noch an die baustrukturelle Tradition des Ortes anknüpfen sollte. Die gute Deckenhöhe erlaubte ein raumüberspannendes Bauwerk. Im Dialog mit dem Bauingenieur entstand eine erste Annäherung an das Thema der Faltdecken. Sie überspannen die Gebäudetiefe von rund 14 Meter, an den Längsfassaden liegen die Tragpfeiler. Die Faltdecke ist vorgespannt, ein Spannkabel gibt die Lasten in Längsrichtung auf Mauern und Fassaden ab. Bei der Ausführung war auch der Baumeister gefordert: „Die Dichte und Komplexität der Armierung erinnern an die Feingliedrigkeit der Feinstickerei“, so Corinna Menn. Das neue Swiss-Life-Stadion der Architekten Caruso St John und Patrick Gartmann, Büro Ferrari Gartmann, spielt ebenfalls mit textiler Formensprache. Spannend ist hier vor allem aber etwas anderes: der Wechsel von einer ursprünglich im Wettbewerb noch vorgehängten zu einer tragenden Betonfassade. „Schmale Stützen, schwere Fassaden an Hängezugankern, das kann zu Unfällen führen“, erläutert Patrick Gartmann, „Ich wollte dieses Szenario verlassen.“ Patrick Gartmann gelang es, auch dank einer großen Besichtigungstour, Bauherren, Bauherrenvertreter, Bauleiter, Architekten, Bauingenieure und Kostenplaner von einem außenliegenden Tragwerk zu überzeugen. Die Stadionfassade mit den kreisrunden Fenstern nimmt die Idee eines Bühnenvorhangs auf. Um die Machbarkeit und den Ausdruck zu überprüfen, wurde ein 14 Meter hohes Muster im Maßstab 1:1 erstellt. Am Ende des Bauprojekts standen Konzept und Pläne für die Submission für eine tragende Betonfassade. „Der Wechsel hat funktioniert“, freut sich Patrick Gartmann, „weil wir alle Parteien mitgenommen haben.“ Vorfabrikation im Bau ist Standard. Das hohe Gewicht von Betonbauteilen setzen dem Transport und der Montage auf der Baustelle jedoch Grenzen. Ein ganz neuer Ansatz für den Hoch- und Brückenbau sind die CPC-Carbonbetonplatten von Prof. Josef Kurath, Büro Kurath & Partner. Rund acht Jahre Forschung und Entwicklung investierte sein Team von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), bis eine optimale Verbindung von Carbon und Beton gefunden war. Die Vorteile der beiden Materialien liegen auf der Hand: Carbon ermüdet nicht und Beton ist robust. Aber auch die Nachteile sind offensichtlich: Beton reißt bei Zug und Carbon ist durch seine Verbindung mit Kunststoff UV-empfindlich. Das Resultat sind drei bis acht Zentimeter starke, 3- bis 16-lagig mit einem feinen Netz aus dünnen, stark vorgespannten Carbondrähten bewehrte Platten. Und warum gerade Platten? „Das Meiste am Bau ist eben. Vorbild ist der Holz- oder Stahlbau, wo man aus Platten Elemente ausschneidet und zu einem Bauwerk zusammenfügt“, erläutert Joseph Kurath. Die CPC-Carbonbetonplatten sind zwar gegenwärtig noch 30 bis 40 Prozent teurer als Stahlbewehrung, diese Kosten spielen sie aber dank höherer Lebensdauer rasch ein. Auch in punkto Nachhaltigkeit vermögen die CPC-Platten zu überzeugen: Die Umweltbelastung ist verglichen mit konventionellen Ortsbeton um den Faktor 10 geringer, zudem kann CPC als Betonrecyclat weiterverwendet werden. Der nächste Schritt ist der Sprung in den Hochbau, die allgemeine Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) läuft. Geradezu filigran wirkt die Sanierung der auf dem Gemeindegebiet von Pully und Belmont liegenden Paudèzebrücken der Autobahn N 9 durch Dr. Philippe Menétrey, Büro INGPHI. Die beiden 402 und 420 Meter langen, von 1971 bis 1974 im Freivorbau errichteten Brücken befanden in sich in einem sehr schlechten Zustand. In den vergangenen 20 Jahren bog sich die Fahrbahnplatte um 40 mm durch (für die Zeit davor liegen keine Zahlen vor), die Bewehrung unter der Fahrbahn korrodierte, stellenweise lösten sich Betonteile. Die Instandsetzung musste bei laufendem Betrieb erfolgen. „Unser Ziel war es, die Brücke zu verstärken, ohne den Charakter zu verändern“, sagte Philippe Menétrey. Die Maßnahmen umfassten neue Bodenanker, einen Schacht, sowie eine New Jersey Wand und eine Lärmschutzwand. Um das zusätzliche Gewicht zu tragen, wurden vorfabrizierte Streben aus Ultrahochleistungs- Faserbeton (UHFB) eingebaut, die die Fahrbahnplatte mit dem Steg auf beiden Seiten verbinden. Die Streben sind für eine bessere Kräfteverteilung in Längsrichtung im Stil der Warren-Gitterbrücken angeordnet. „Die Eigenschaften von UHFB sind phänomenal“, erläutert Philippe Menétrey, „das Gewicht bleibt gleich, die Druckfestigkeit erhöht sich von 30-50 auf 150-200 Megapascal, die Zugfestigkeit von drei bis auf 10 N/mm²“. Die Streben haben abgerundete Kanten und bilden eine ästhetische Einheit. Alle Verstärkungen wie Vorspannkabel oder technische Leitungen sind im Innern des Hohlkastens eingebaut und nicht sichtbar. Das Erscheinungsbild der Bauwerke wurde zwar modernisiert, ihr Charakter aber blieb gewahrt. Wenn die Bevölkerung auf der Erde bis 2050 um weitere zwei Milliarden wächst, können wir nicht mehr so bauen wie bisher, davon zeigt sich Dr. Matthias Rippmann, ETH Zürich, überzeugt: „40 Prozent aller CO₂ Emissionen und 50 Prozent des Abfalls entfallen auf die Bauindustrie“. Ein „Weiter-wie-bisher“ kann es nicht geben. Innovative Konstruktionen, alternative Materialien und ein geringerer Verbrauch könnten einen Beitrag leisten. Das Team um Matthias Rippmann konzentriert sich auf den Tragwerksentwurf. Mithilfe einer eigens entwickelten und frei verfügbaren Software können sie Formwerke erkunden und analysieren. Dabei hilft oftmals ein Blick in die Vergangenheit, wie auf das gotische Gewölbe des Kings College oder auf die katalanischen Gewölbe aus sehr dünnen Ziegeln. „Wir verlassen uns tagtäglich schon auf solche dünnen Strukturen wie unbewehrte Steinkuppeln und Gebäude in Erdbebengebieten“, sagt Matthias Rippmann, „und die stehen noch.“ Doch filigran heißt nicht gleich sparsam. Die erste Struktur, die Schalung, kann sehr aufwendig sein und landet auf der Halde. Ein nachhaltiger Ansatz ist das geschwungene Betondach für das HiLo-Gebäude auf der NEST-Plattform in Dübendorf. Der Prototyp besteht aus einem standardmäßigen Gerüstaufbau, darauf ein Randträger mit Stahlseilnetz sowie einem daraufliegenden Textil. Der Beton wurde mit einem Niedrigdruck-Sprühsystem aufgetragen. Die Umsetzung erfolgte nach SIA-Normen. So beeindruckend wie innovativ ist auch das ultraleichte Schalungsgewebe für das Projekt KnitCandela in Mexico, einer flexibel geformten, dünnen Betonschale. Die komplexe Geometrie des Gewebes erstellte eine Industriestrickmaschine nach einem 3D-digital generierten Strickmuster. Dem Erhalt alter Bausubstanz in den Dörfern seiner Heimat hat sich Peter Haimerl, Büro Peter Haimerl Architekten, verschrieben. Karge Finanzmittel öffentlicher und privater Bauherren in der strukturschwachen Region Bayerischer Wald zwingen ihn, nach kreativen Lösungen zu suchen, um Instandsetzungen und Neubauten realisieren zu können. Dem Dorf Blaibach nahe der tschechischen Grenze verhalf er im Rahmen des Modellvorhabens „Ort schafft Mitte“ des Freistaats Bayern zu einem Konzerthaus, einer mehrfach preisgekrönten „über die Hangkante gekippten Schuhschachtel“, wie Peter Haimerl das „Low-Budget“- Objekt nennt. Der historische Ortskern Blaibachs wies erheblichen Sanierungsbedarf auf. Das leerstehende sogenannte „Blaue Haus“ im Ortszentrum unterzog er ebenfalls einer Totalrevision. Das Gebäude, das zweiseitig mit hellem Glasbeton ummantelt wurde, dient heute als Gemeindehaus. Da der Schaumglasschotter Schweizer Ursprungs für die Gemeinde schlicht nicht zu finanzieren war, entwickelte ein Unternehmen im Bayerwald mit der Unterstützung eines Schweizer Unternehmens den letztendlich verwendeten Beton. Das Konzerthaus schaffte es „noch zu Lebzeiten des Architekten“ als Sujet auf eine deutsche Briefmarke. Weitere Informationen zu den Referenten und Beiträgen auf der Website der Betonsuisse.

Fertigteilfassaden aus Architekturbeton

Fachtagungen in Hamburg und Dresden

1904 fo FachtagungAm 24. Oktober 2019 in Hamburg und am 7. November 2019 in Dresden – an diesen beiden Terminen bieten das InformationsZentrum Beton (IZB) und die Fachvereinigung Deutscher Betonfertigteilbau e. V. (FDB) mit ihrer Fachtagung „Fertigteilfassaden aus Architekturbeton“ die Möglichkeit, grundlegendes Wissen zu diesen vorgefertigten Betonbauteilen unter architektonischen, ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten aufzufrischen und zu vertiefen.

Sechs praxisorientierte Vorträge beleuchten die Grundlagen der Planung, die verschiedenen Expositionsklassen sowie Differenzierungen von Sichtbeton und Betonzusammensetzungen. Der Planungsatlas Hochbau wird als Arbeitshilfe für die detaillierte Wärmebrückenberechnung bei Fertigteilfassaden eingehend vorgestellt. Die Themen Befestigungen von Betonfertigteilen in der Fassade, die Erfahrungen und Innovationen damit, die Vielfalt der Oberflächengestaltung sowie die neuen Sichtbetonfassaden, die dünn, hochfest, textilbewährt oder auch lichtdurchlässig sein können, werden praxisnah von Referenten erläutert. Ein gebautes „Anschauungs-Objekt“ darf nicht fehlen: Die Seminarteilnehmer dürfen sich auf die Ausführungen zur James-Simon-Galerie im Berliner Schloss mit ihren technischen Raffinessen und ihrem ästhetischen Anspruch an die Fertigteilfassade freuen. Die Fachtagung richtet sich an Architekten, Planer und bauausführende Unternehmen, private und öffentliche Auftraggeber. Auch Mitarbeiter in Lehre, Forschung und Ausbildung, die ihre Kenntnisse zum Bauen mit vorgefertigten Fassadenelementen aus Beton vertiefen wollen, sind angesprochen. Die Teilnahme an der Veranstaltung kostet EUR 149,00 inkl. 19% MWSt. Detaillierte Informationen und Anmeldung unter www.beton.org