Schöne Aussichten

Interdisziplinäre Visionäre der Concrete Student Trophy 2010

fo_1101_schoene_aussichtenDer erste Platz der Concrete Student Trophy 2010 geht an Nachwuchstalente für interdisziplinäres Arbeiten von Architektur und Bauingenieurswesen an drei mazedonische Studenten der TU Wien mit dem Projekt „Freefolding Upwards". Der zweite Platz geht an drei Grazer TU-Studenten für das Projekt „Neun Grad". Beide Entwürfe überzeugen durch einfache, klare Gestaltung. Raffinierte Details lassen den Campus über die Wegeführung „erleben".

Die Auszeichnung mit der Student Concrete Trophy erhalten Studenten der Architektur und des Bauingenieurwesens für herausragende Projekte und Seminararbeiten, die interdisziplinär entwickelt werden. In den Entwürfen muss Beton bei Gestaltung und Konstruktion eine wesentliche Rolle spielen und die kreativen Einsatzmöglichkeiten des Baustoffes voll genützt werden. Die Beurteilung erfolgt durch eine hochkarätige Experten-Jury. Es punkten Entwurfsund Innovationskraft, insbesondere in Hinblick auf technische Aspekte, sowie Durchführbarkeit und Errichtungszeit, Wirtschaftlichkeit, Demontierbarkeit und Nachnutzung.

Schöne Aussichten für Grazer TU Campus

Die fünfte Concrete Student Trophy forderte zum Vorentwurf einer multifunktionalen, begehbaren, temporären Betonstruktur mit begehbarer Aussichtsplattform am Campus der Technischen Universität Graz auf. Gesucht wurde ein temporäres Zentrum anlässlich des 200-jährigen Bestehens unter Berücksichtigung der Örtlichkeit der Universität, der urbanen Entwicklung, der Ausbreitung der Infrastruktur und der Raumentwicklung für Innovation und Visionen. Insgesamt wurden 14 Projekte eingereicht, sechs davon wurden mit der mit insgesamt 13.000 Euro dotierten Concrete Student Trophy ausgezeichnet.

1. Platz: Die Einfachheit des Dreiecks bei „Freefolding Upwards"

Das Projekt „Freefolding Upwards" von Esat Sehi, Damjan Grankov und Darko Tasevski (TU Wien) überzeugte mit der Klarheit der architektonischen Idee das Bauwerk in konstruktive Dreiecke aufzulösen. Zwei einander zugewandte Betonwände, die jeweils aus vier Dreiecksscheiben bestehen, werden miteinander konstruktiv verkoppelt. Daraus ergibt sich eine räumliche Struktur, die aus zwei sich gegenüberliegenden freien Sichtbereichen und gegeneinander verkippten Dreiecksflächen besteht. Ebendort befinden sich multifunktional bespielbare Sitzplattformen. Über Treppen sowohl an der Innen- als auch an der Außenseite ergibt sich eine differenzierte Begehbarkeit der Aussichtplattform. Eine besonders hohe Herausforderung stellt das Fügen von Fertigteilen dar. Um diese Aufgabe zu meistern, hat das Projektteam durch den Einsatz von Verbundbauweise und Einbauteilen gut durchdachte Vorschläge zur Fügetechnologie vorgelegt. Ein weiterer Grund für die Entscheidung der Jury war der logische Zusammenhang zwischen dem Bauwerk und der Verwendung von Beton. Das Team des ersten Preises erhielt 4.000 Euro.

2. Preis: Zwei Wege hinauf bei „Neun Grad"

Der mit 3.000 Euro dotierte 2. Preis ging an das Projekt „Neun Grad" von Gernot Parmann, Peter Kaufmann und Helmut Schober (TU Graz), das mit dem Konzept zweier unabhängiger Wegführungen zur Aussichtplattform die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen wusste. Es handelt sich dabei um die Möglichkeit, den Weg hinauf entlang der Außenfassade zu erleben und den Weg zurück in das Innere der Plattform zu finden. Interessant für die Juroren war auch der Vorschlag, für die Konstruktion mit nur einem Typ eines Fertigteilelements auszukommen. Die Idee zeichnet sich dadurch aus, dass hier der Zugang zur Verwendung von Beton als vorfabriziertes und demontierbares Element demonstriert und nachvollziehbar wird. Auch die Vorschläge im Sinne einer potenziellen Nachnutzung für die Einzelelemente sind ideenreich und vielfältig vorgestellt.

Vier Anerkennungspreise vergeben

Die Jury hat entschieden, zusätzlich zum ersten und zweiten Platz insgesamt vier Anerkennungspreise zu vergeben. Zu diesem Zweck wurde das Preisgeld um 1.000 Euro auf insgesamt 13.000 Euro aufgestockt. Demnach erhält jeder Anerkennungspreisträger 1.500 Euro. Darüber freuen darf sich das Team Sarah Cmolik, Barbara Gross und David Steinbacher (TU Wien) mit dem Projekt „Erlebnis | Weg", welches als einfache, modulare Lösung durch fünf übereinander gestapelte Kuben, die durch eine interne Treppe erschlossen werden, erarbeitet wurde. Die Einzelmodule werden durch vier Fertigteilwandscheiben gebildet, die an ihrer Außenhaut eine Netzstruktur aus lichtdurchlässigem Beton zeigen. Unter dem Titel „Dreiecksbeziehung" konnte das Team Katharina Dielacher, Angelika Hesse und Peter Brugger (TU Graz) das Entscheidungsgremium für sich gewinnen. Das Konzept zweier unterschiedlich erlebbarer Wege wirkt interessant und die Verwendung der einzelnen Elemente als Follies zeigt eine sympathische Anwendung dieser Idee. Die Stapelung sehr unterschiedlich gestalteter Fertigteilelemente zu Ringen mit zwei Metern Geschoßhöhe schränkt eine sinnvolle Umsetzung und Nutzung allerdings maßgeblich ein.
Als dritter Anerkennungspreis wurde das visionäre Projekt „Periskop" von Caroline Biribauer, Katharina Balak und Fabian Peintner (TU Graz) ausgewählt. Über die Idee des Periskops wurde die Aussichtsplattform in den Eingangsbereich übertragen. Technisch überzeugt das Projekt durch die seriöse Auseinandersetzung mit innovativen Bauweisen und Materialien wie Glas-Beton-Verbundbauweise, Vorspann- und Klebetechnik. Als nachteilig von der Jury empfunden wurden die beengte Lösung des Eingangsbereiches sowie die eingeschränkte Benutzerfrequenz. Der vierte Anerkennungspreis ging an Brion Basha, Marvi Basha und Alexander Gruber (TU Graz) mit „Climbing Wisdom", ein interessanter Vorschlag mit einer verkehrstechnischen cleveren Lösung im Zugangsbereich, sozusagen einem Zusammenführen der unterschiedlichen Richtungen auf verschiedenen Niveaus zum „Bücherstapel". Dabei hat die Bearbeitung des Volumens als Plastik, die keinen Gesetzmäßigkeiten folgt, überrascht. Als weniger positiv wurden hingegen der hohe Materialeinsatz sowie das komplexe technische Konzept einer an sich einfachen Stapellösung sowie das sehr aufwändige Lichtkonzept beurteilt.



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