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Kathedralen aus Beton

Der Architekt Gottfried Böhm ist 90 Jahre

fo_1001_kathedralen_aus_betonDer Kölner Architekt Gottfried Böhm gehört zu den bedeutendsten Architekten der Nachkriegszeit: Als erster und bisher einziger Deutscher erhielt er 1986 den Pritzker Prize, die höchste internationale Auszeichnung für Architektur. Im Januar ist er 90 Jahre alt geworden und noch immer begeistert er Kritiker, Öffentlichkeit und Bauherren mit seinen charakteristischen, expressiven Bauten und Entwürfen, die eine ganz eigene, von den allgemeinen Architekturtrends losgelöste Formensprache sprechen.


Gottfried Böhm wurde am 23. Januar 1920 als Sohn des berühmten Kirchenbaumeisters Dominikus Böhm in Offenbach am Main geboren. Nach dem Tod des Vaters übernahm er 1955 dessen Büro in Köln, das er heute in lockerer Allianz mit seinen Söhnen Stephan, Peter und Paul führt. Das vielseitige Bauschaffen Gottfried Böhms ist durch ein hohes Maß an Individualität, Plastizität und Bildhaftigkeit geprägt. Besondere Bedeutung misst der Architekt, der von 1963-85 den Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung und Werklehre an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule in Aachen innehatte, der Schaffung von baulichen Zusammenhängen und räumlichen Strukturen sowie der Verbindung von Funktionalität und Zeichenhaftigkeit zu. Gottfried Böhm entwickelt seine Archtektur vom Menschen aus und für den Menschen. Seine Wohnbauten, wie das Kinderdorf Bethanien in Bergisch Gladbach-Refrath (1962-68), das Altenheim in Düsseldorf-Garath (1962-70) oder die Siedlung in Köln-Chorweiler (1966-74), gelten als Pionierprojekte eines individuellen, humanen Wohnens. Der Ausbau der Godesburg (1959-61) oder der Neubau des Mittelrisalits des Saarbrückener Schlosses (1981-89) zeugen von seinem selbstbewussten, aber dennoch einfühlsamen und respektvollen Umgang mit historischem Baubestand und vorhandenen Strukturen.
Bis zum Ende der 60er Jahre ist der Wiederaufbau und Neubau von Kirchen im Werk Gottfried Böhms bestimmend. Seine überwiegend in Sichtbeton errichteten Sakralbauten entstehen unter Verwendung unterschiedlicher Tragwerke und zeichnen sich durch eine ungewöhnlich große Vielfalt an Raumtypen und Formen aus. Böhms konstruktive und raumschöpferische „Studien" gipfeln in den virtuos geformten, kristallinen Architekturskulpturen der 60er Jahre, die an die utopischen Entwürfe expressionistischer Architekten erinnern und den Baumeister international bekannt machen. Wie „Felsen aus Beton" ragen die Wallfahrtskirche in Neviges (1963-72) oder das Rathaus in Bergisch Gladbach- Bensberg (1962-71) selbstbewusst aus den Stadtsilhouetten empor. In Köln selbst existieren mit den Kirchen St. Gertrud (1960-66) und Christi Auferstehung (1963-70) gleich zwei Bauten dieser Werkphase.

In den 70er Jahren finden neben dem Beton vor allem Stahl und Glas Eingang in Böhms Architektur. Charakteristisch für sein Werk wird das Konzept des „eingehausten Stadtraumes", das er in Form von Passagen, Foyers und Hallen vor allem in seinen Verwaltungs- und Kulturbauten umsetzt, wie dem Diözesanmuseum in Paderborn (1969-75), dem Stadthaus in Rheinberg (1974-81) oder den WDR-Arkaden in Köln (1991-96). Seine spektakulärste Ausformung fand es im Züblin-Verwaltungsgebäude in Stuttgart (1981-85). Die schwebenden sphärischen Stahl- und Betonschalen, die viele Projekte seit den 90er Jahren kennzeichnen – so auch den unrealisierten Entwurf für den Berliner Reichstag von 1992 – konnte Gottfried Böhm an seinem jüngste Werk, dem 2006 eröffneten Hans-Otto-Theater in Potsdam, realisieren. Auch sein aktuelles Projekt, eine Moschee in Köln mit einer Kuppel aus zerrissenen Betonschalen, hat bereits architektonisch für Aufsehen gesorgt. Eine wahrlich reife Leistung. Weiter so und alles Gute zum 90!


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