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Formfreiheit

Holländisches Design im 3D-Betondruck

1905 fo ETHZuerichDer 3D-Druck hat sich in den letzten Jahren als Produktionstechnologie für Designer etabliert und erobert nun mit dem Einsatz von geeigneten Betonzusatzmittel die Architektur und Bauindustrie. In ihrem neuesten Projekt hat sich das Unternehmen Vertico XL 3D-Druck mit der Technischen Universität Eindhoven, Fachbereich Architekturdesign und Ingenieurwesen, zusammengetan, um drei eindrucksvolle monolithische Betonsäulen zu schaffen und diese digitale Design- und Bauinnovation zu präsentieren. Die 3 Meter hohen und nur 300 kg schweren Säulen wurden auf der letzten Dutch Design Week in Eindhoven vorgestellt. „Das Ziel dieses Projekts war es, die ästhetischen Möglichkeiten, die Designern und Architekten jetzt zur Verfügung stehen, in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Technik ermöglicht es uns, drei einzigartige Säulen praktisch ohne zusätzliche Kosten zu produzieren“, sagt Volker Ruitinga, Gründer von Vertico. Die Objekte wurden in der gleichen geschichteten Weise wie andere 3D-Drucktechniken aufgebaut. Im Gegensatz zum Polymerdruck lässt der 3D-Betondruck jedoch keinen signifikanten Überstand zu. Die meisten Projekte beinhalten gerade Wände mit Kurven nur in der zweidimensionalen Ebene, d.h. die Ecken sind abgerundet, die Objekte selbst sind jedoch gerade und überwiegend senkrecht zum Boden. Um diese Beschränkung zu überwinden, ist Füllmaterial ähnlich wie bei der Pulverdrucktechnik erforderlich. In diesem Projekt wurde Füllmaterial verwendet, um die doppelt gekrümmte Oberfläche der Säulen zu stützen. Ausgangspunkt für dieses Projekt war die letztjährige Abschlussarbeit im Architekturstudium an der TU Eindhoven. Die Säulen selbst wurden von der Absolventin Alessia Biffi in Rhino+Grasshopper unter der Leitung von Prof. Ir. Bekkering entworfen. Im Rahmen ihrer Graduierung wurden die Studenten gebeten, die ”Alten Docks“ in Gent zu überdenken und neue Entwürfe für soziale Funktionen vorzuschlagen. Themen sind unter anderem: Licht, Verbindungen, Muster, Trägermaterialien und Montage – um die ästhetischen und nachhaltigen Qualitäten des 3D-Betondrucks zu entdecken.

Vertico NL-3821BL Amersfoort
www.vertico.xyz

KUFA-Kreisel

Der Plattenspieler-Kreisverkehr in Lyss

1905 fo ETHZuerich

Wer entspannen möchte, fährt einfach mal eine Runde mehr im Kreisverkehr – und das am besten mit der richtigen Musik. Ob das auch die zündende Idee war für den Kreisverkehr, den die Kulturfabrik KUFA in der Schweizer Gemeinde Lyss initiiert hat? Denn seit Mai letzten Jahres dreht man sich hier im Kreis um einen überdimensionalen Plattenspieler aus Beton.

Die Resonanz auf diesen wahrscheinlich ungewöhnlichsten Kreisverkehr überhaupt ist überwältigend. Im Netz schlug der Plattenspieler virale Wellen und bei der KUFA gingen Anfragen aus Kolumbien, Australien und aller Welt ein. Auch eine kanadische Gemeinde möchte ihren eigenen Plattenspieler. Egal ob DJs, Vinyl-Fans oder einer der größten Plattenverlage in Deutschland – alle schwärmen vom Plattenspieler-Kreisel in Lyss. Vorausgegangen ist der Fertigstellung ein über vier Jahre währender Prozess von Ideenfindung, Überzeugungsarbeit und reichlich ehrenamtlichem Engagement. Zum Beispiel wurden die Metallplatten am Rand des Plattenspielers, die dem ganzen die charakteristische Optik verleihen, von freiwilligen Helfern in Handarbeit angebracht. Das Beton-Fundament dagegen hat ein Unternehmen zu großzügigen Konditionen beigesteuert. „Wir haben damals im Jahr 2014 unser Interesse angemeldet, bei der Gestaltung des Kreisels mitzuwirken“, erklärt Thomas Hässig, von der KUFA. „Und als Konzert- und Kultur- Club wollten wir mal eine eigenwillige und unserem Metier entsprechende Idee entwickeln. Die tatsächliche Umsetzung erforderte dann einen langfristigen Abstimmungsprozess mit der anfangs skeptischen Gemeinde. Aber inzwischen überwiegt die Begeisterung über den XXL-Plattenspieler auch bei den Einheimischen vor Ort.“ Da fährt man wirklich gerne mal eine Runde mehr. Einziger Wermutstropfen: Der Tonarm fiel der Verkehrssicherheit zum Opfer.

www.kufa.ch

Loeb Fellow

Wolfgang Rieder nach Harvard berufen

1905 fo ETHZuerichWolfgang Rieder, Geschäftsführer und Eigentümer der 1958 gegründeten Rieder Gruppe wurde unter 200 Bewerberinnen und Bewerbern als einer von neun Stipendiaten als Loeb Fellow berufen. Somit ist er nicht nur der erste Österreicher, sondern auch der erste Produzent, dem diese Ehre zuteilwird. Im Studiensemester 2019/2020 wird er sich den Themen wie Klimaschutz und nachhaltigem Bauen widmen, um sich aktiv für eine bessere, resilientere Architektur einzusetzen.

Die an die Designhochschule der Harvard University angebundene Loeb Fellowship wurde 1968 durch eine Stiftung des Unternehmers und Philanthropen John L. Loeb begründet. Erfahrenen Praktikern aus verschiedenen Berufsfeldern, die einen Einfluss auf die Gestaltung der gebauten und natürlichen Umwelt haben, wird die Chance geboten, ihr Wissen auf einen höheren Stand zu bringen und mit anderen zu teilen. Etwas tun lautet das Gebot der Stunde Wolfgang Rieder versteht sich seit jeher nicht nur als Produzent hochwertiger Lösungen aus Beton. Stets eine Motivation all seines Tuns ist es, einen aktiven Beitrag zur Lösung des CO2-Problems zu leisten und sich für eine nachhaltigere Architektur einzusetzen. Parallel zum Baugeschäft engagiert er sich seit einiger Zeit für ökologische Landwirtschaft und nachhaltigen Tourismus. „Alle reden zwar vom Klimaschutz, das Gebot der Stunde lautet, auch etwas zu tun“, ist es Wolfgang Rieder ein Anliegen, lösungsorientiert zu handeln und Verantwortung nicht zu delegieren. Als Unternehmer fühlt er sich der Umwelt verpflichtet – für deren Schutz ebenso wie deren Gestaltung und sieht sich zugleich als Brückenbauer, der mithilft, Dinge, die andere in der Theorie entwickeln, umzusetzen: „Ich möchte meinen Aufenthalt nutzen, am Puls der aktuellen Forschungsdiskurse das Verhältnis zwischen produzierender Industrie und Architekturschaffenden neu zu beleuchten.“ Die Architekturszene müsse ihren Elfenbeinturm verlassen und der Position der Hilflosigkeit gegenüber dem Ökozid an unserem Planeten entkommen. Dazu sei es notwendig, dass die Disziplin die Leadership bei der Bekämpfung des Klimawandels übernehme und Politik sowie Bauindustrie mit ihrem fachlichen Input dazu bringt, sich zu wirksamen Maßnahmen zu verpflichten. Theorien für eine Ökologisierung des Bauens – von der Baustoffproduktion angefangen bis hin zu einer umweltfreundlichen Mobilität und einer ökosozialen Stadtentwicklung – sind längst vorhanden, nun hieße es, konkrete Aktionen auf jeder Ebene zu setzen, um mögliche Lösungen real begreifbar zu machen und zu zeigen, dass die kritische Situation beherrschbar ist. Nachhaltigkeitsdebatte substanziell führen Erste Schritte zur nachhaltigen Veränderung der Denkweise in der Bauund Designbranche unternahm Rieder mit Initiativen wie „zero waste“ und dem Produkt „scrapcrete“, wo es darum geht, in der Bauwirtschaft anfallenden Abfall sinnvoll für neue Anwendungen nutzbar zu machen. „Um dem Klimanotstand entgegenzuwirken ist es wichtig, sich vom Materialfetischismus in der Architektur zu lösen und die Nachhaltigkeitsdebatte substanziell zu führen.“ Wolfgang Rieder versteht sich als First Mover in der für den Hauptanteil der globalen CO2-Emissionen verantwortlichen Bauindustrie. „Ich möchte mir nicht vorwerfen lassen, dass unsere Generationen den Planeten Erde ruiniert hat. Was ich mir nie verzeihen könnte ist, mich gegen besseres Wissen nicht zu engagieren.“ Sein Unternehmen emittiere nach eigenen Berechnungen inklusiver aller Reisen 7100 Tonnen CO2 pro Jahr. Mit der Pflanzung von 560.000 Bäumen ist es möglich, diesen Ausstoß zu neutralisieren. Wolfgang Rieder will es nicht bei der Theorie belassen und das Aufforstungsprojekt in Angriff nehmen, wobei das nur eine Maßnahme von vielen sein kann. Bis 2030 sieht die Europäische Klimaschutzstrategie eine Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent vor. Wolfgang Rieder möchte dazu einen deutlichen Beitrag auf allen Gebieten in seinem Einflussbereich leisten und nicht untätig darauf warten, bis die dringend notwendigen politischen Weichenstellungen erfolgen. Trotz schlechter Prognosen für die Zukunft vertraue er in die Intelligenz der Menschheit und ihre Fähigkeit, ihr Handeln und Wirtschaften nachhaltig zu verändern.

www.rieder.cc

Plasticity

Sieger des Concrete Design Competition 18/19

1905 fo ETHZuerichDer Concrete Design Competition 2018/19 zum Thema „Plasticity“ ist entschieden. Bereits zum 12. Mal zeichnet das InformationsZentrum Beton im Rahmen des Wettbewerbs Studierende für herausragende Entwurfsarbeiten mit Beton aus. Nach der Bewertung von insgesamt 74 Einsendungen vergab die Jury vier Preise und zwei Anerkennungen an Studierende aus München, Braunschweig, Darmstadt und Stuttgart.

Die Jury hatte ein breites Spektrum an Projekten zu bewerten, die von Studierenden der Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Freiraumplanung, Konstruktiver Ingenieurbau, Produktdesign und Medienkunst eingereicht worden waren. „Dabei zeigten sich die vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten von Beton auch in diesem Jahr durch unterschiedlichste Ansätze und Schwerpunkte. Architektonische, technisch-konstruktive, künstlerische und experimentell forschende Arbeiten stehen sich im Wettbewerb gegenüber und vermitteln auf inspirierende Weise die Qualitäten und die stetige Weiterentwicklung des Baustoffs“, sagt Jurymitglied Ulrich Nolting, Geschäftsführer des InformationsZentrum Beton.

www.concretedesigncompetition.de

Von Nöten zu Tugenden

Swissbau Focus-Veranstaltung im Januar in Basel

1905 fo ETHZuerichVon Nöten zu Tugenden – Die Baubranche im Wandel des Einsatzes von Ressourcen. Die Betonsuisse und der SIA, Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, laden am 17. Januar 2020 zwischen 14:30 und 16:00 im Rahmen der Swissbau in Basel zu einer Podiumsdiskussion und anschließendem Networking- Apéro ein.

Ein Impulsvortrag von Donato Scognamiglio zum Wandel der Baubranche vom Ressourcen verschwendenden Moloch zum digital organisierten, effizienten Wiederverwerter von Rückbaumaterialien führt in die anschließende Diskussion mit Vertretern der Baubranche ein. Die Baubranche hat in den letzten 20 bis 30 Jahren einen markanten Wandel durchlebt. Noch in den 80er- und 90er-Jahren sind Mischdeponien mit allen Arten von Materialien an der Tagesordnung gewesen. Heute ist beim Rückbau die strikte Triage sämtlicher Baustoffe zum Regelfall geworden. Man hat erkannt, dass der Deponieraum und die natürlichen Rohstoffquellen zur Herstellung von Baustoffen endlich sind. Durch die Wiederaufbereitung von Bauabfällen, Bauteilen und Abbruchmaterialien zu neuen Baustoffen können die natürlichen Rohstoffressourcen geschont und somit für die Zukunft länger verfügbar gehalten werden. Teilnehmer der Podiumsdiskussion, welche unter der Leitung des „Einstein"- Moderators Tobias Müller (SRF) stattfindet, sind: • Stefan Cadosch; Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architekenvereins SIA • Gian-Luca Lardi; Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes SBV • Peter Richner; Stellvertretender Direktor der Empa • Donato Scognamiglio; Professor für Immobilienwirtschaft Uni Bern und CEO IAZI AG • Nick Traber; CEO Holcim (Schweiz) AG • Peter Wellauer; Geschäftsführer Betonsuisse Weitere Informationen zur Veranstaltung und die Online-Anmeldung unter

www.swissbau.ch/events

Onomatopoesie

Kunst am Beton-Bau in der Europäischen Schule München

1905 fo ETHZuerichKunst gehört zu jedem schulischen Lehrplan, wird aber zugleich in seiner Inszenierung am Gebäude zum relevanten Stilelement der Gestaltung des Bauwerks und umgibt den Alltag mit anregendem Inhalt. Im Rahmen der Erstellung des Erweiterungsbaus der Europäischen Schule München (Architektur von léonwohlhage) und des Wettbewerbs „Kunst am Bau“ konnte die Künstlergruppe STOEBO mit Cisca Bogman und Oliver Störmer die Gestaltung der Pausenhalle und der Treppenhäuser unter 111 Einreichungen mit dem ersten Preis für sich entscheiden. Pünktlich zum neuen Schuljahr und dem Bezug des Gebäudes empfing auf den Sichtbetonwänden das Kunstwerk „Onomatopoesie“ der beiden Künstler Schüler, Lehrer und Eltern.

Für das „Origen Festival“ im schweizerischen Riom haben Studierende des „Master of Advanced Studies in Digital Fabrication and Architecture“ an der ETH Zürich das erste Bühnenbild aus einem robotergestützten 3D-Betondruckverfahren erschaffen. Die szenische Installation „Concrete Choreography“ besteht aus neun schalungsfrei hergestellten Betonsäulen, die mit einer Druckgeschwindigkeit von 180mm/s innerhalb von 2,5 Stunden in voller Höhe gefertigt wurden. Mit dem an der ETH Zürich entwickelten 3D-Druckverfahren eruiert das Projekt neue Perspektiven computergestützter Entwurfstechniken und digitaler Fertigungen für zukünftige Betonarchitekturen. Der hybride Forschungsansatz verbindet Materialeffizienz mit dem ästhetischen Potenzial dieser Technologie – der robotergestützte 3D-Betondruck ermöglicht die vollautomatisierte Herstellung geometrisch komplexer Texturen, der gleichzeitig mit einem kalkuliert sparsameren Materialverbrauch einhergeht. Die 2,7 Meter hohen Hohlbetonsäulen der „Concrete Choreography“ begleiten das Musiktheater in Riom nicht nur als Kulisse. Aus ihrer agilen Morphologie entsteht ein Ebenbild der Akteure, als würden die Betonhüllen jeden Moment aufbrechen und selbst aus der Reihe tanzen.

Kunst
STOEBO – Cisca Bogman & Oliver Störmer, D-10243 Berlin
www.stoebo.de

Sichtbeton-Oberflächenveredlung
PSS INTERSERVICE AG, CH-8954 Geroldswil
www.pss-interservice.ch

Riesen-Rohrpost

UHPC-Betonröhren für die erste deutsche Hyperloop-Teststrecke

1905 fo ETHZuerichStatt in Zügen oder Flugzeugen sollen Passagiere oder Güter künftig in einer rasenden Kapsel von A nach B befördert werden – ähnlich dem Prinzip einer überdimensionalen Rohrpost. An dieser Vision arbeiten Wissenschaftler weltweit ganz konkret. In Wettbewerben treten Teams gegeneinander an, die möglichst schnell ein Gefährt – den sogenannten Pod – durch eine bislang noch oberirdisch verlaufende Röhre schicken.

Bereits 2017 gewann ein Team von Studierenden der Technischen Universität München zum ersten Mal die sogenannte Hyperloop Pod Competition, die von Elon Musk und seiner Raumfahrtfirma SpaceX ins Leben gerufen wurde. Nun erreichte das Team zum vierten Mal in Folge die Spitzenposition mit einer diesjährigen Rekordgeschwindigkeit von 482 km/h – in einer Röhre aus ulttrahochfestem Beton. Eine eigene Research & Development Abteilung an der TU München untersucht das Hyperloop-Konzept hinsichtlich Machbarkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit seit nunmehr einem Jahr. Dazu entwickelten die jungen Studierenden einen ersten Prototyp für das Konzept. Dieser besteht aus einem Pod, der ein magnetisches Schwebe- und Antriebssystem beinhaltet, sowie eine Vakuum-Betonröhre, die unter anderem als Fahrweg dient. Bei der Entwicklung der 17,50 Meter langen Betonröhre konnte die HeidelbergCement AG und deren Abteilung Engineering & Innovation das Hyperloop-Forscherteam mit Expertise in der Betontechnologie und dem Produkt Effix Plus, einem Compound für ultrahochfeste Betone (UHPC) unterstützen. Mit diesem Compound war es den Entwicklern möglich, ein 90-prozentiges Teilvakuum innerhalb der Teststrecke aufzubauen und zu erhalten. Im nahezu luftleeren Leitungssystem werden die Kapseln, die durch die Röhren zirkulieren, nicht vom Luftwiderstand gebremst. Neben der Präsentation des Projektes vor Elon Musk, stellte das Team seine Hyperloop-Teststrecke hochrangigen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft vor. Dort teilten sie ihre Vision sowie die Pläne für die nächsten Schritte, hin zu einer marktreifen Entwicklung. Im nächsten Schritt plant das Team eine 20 Meter lange Teststrecke mit einem Röhrendurchmesser von zwei Metern. In Zukunft könnte diese Technik den Personen und Gütertransport revolutionieren und beispielsweise Verkehrschaos in Großstädten beseitigen.

Concrete Choreography

Bühnenbild mit tanzende Betonsäulen

1905 fo ETHZuerichMithilfe eines robotergestützten 3D-Betondrucks komponierten Studierende der ETH Zürich in Riom eine choreografische Inszenierung aus neun Betonsäulen.

Für das „Origen Festival“ im schweizerischen Riom haben Studierende des „Master of Advanced Studies in Digital Fabrication and Architecture“ an der ETH Zürich das erste Bühnenbild aus einem robotergestützten 3D-Betondruckverfahren erschaffen. Die szenische Installation „Concrete Choreography“ besteht aus neun schalungsfrei hergestellten Betonsäulen, die mit einer Druckgeschwindigkeit von 180mm/s innerhalb von 2,5 Stunden in voller Höhe gefertigt wurden. Mit dem an der ETH Zürich entwickelten 3D-Druckverfahren eruiert das Projekt neue Perspektiven computergestützter Entwurfstechniken und digitaler Fertigungen für zukünftige Betonarchitekturen. Der hybride Forschungsansatz verbindet Materialeffizienz mit dem ästhetischen Potenzial dieser Technologie – der robotergestützte 3D-Betondruck ermöglicht die vollautomatisierte Herstellung geometrisch komplexer Texturen, der gleichzeitig mit einem kalkuliert sparsameren Materialverbrauch einhergeht. Die 2,7 Meter hohen Hohlbetonsäulen der „Concrete Choreography“ begleiten das Musiktheater in Riom nicht nur als Kulisse. Aus ihrer agilen Morphologie entsteht ein Ebenbild der Akteure, als würden die Betonhüllen jeden Moment aufbrechen und selbst aus der Reihe tanzen.

www.dbt.arch.ethz.ch

Architekturbeton als Leinwand

1905 fo Leinwand

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt brachten am 13. und 14. September künstlerische Großprojektionen die gesamte Ostfassade des Humboldt Forums in Berlin in Bewegung. Mit der Projektion „250 Jahre jung! Alles ist Wechselwirkung“ wurde die Fassade zum Schauplatz des Lebens und Denkens Alexander von Humboldts. Alles ist Wechselwirkung – seine zentrale Feststellung über die Natur und die Welt – wurde im Zusammenspiel zwischen Licht, Bildern und Architektur erkundet. Die Projektion zeigte eine Reise in die Vielschichtigkeit und enorme Facettenhaftigkeit dieses schillernden Wissenschaftlers, Forschers und Philosophen, geprägt durch sein Verständnis von Wissenschaft: Sehen aus unterschiedlichen Blickrichtungen, vielsprachig formuliert sowie Natur und Kultur zusammendenkend.

Fluch und Segen. Kirchen der Moderne

Kirchen-Ausstellung des M:AI in begehbarem Exponat in Köln

1905 fo KircheDie Kirche St. Gertrud in Köln wird zum erlebbaren Exponat: Für die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“ inszeniert das M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW die Betonkirche von Gottfried Böhm. Themen der Ausstellung sind die Bedeutung von Kirchenbauten und der Umgang mit diesen außergewöhnlichen Räumen – angesichts der zunehmenden Leerstände.

Der Kirchenraum von St. Gertrud wird mit einer Lichtinstallation inszeniert: Grafische Elemente, kurze Erläuterungen und Zitate werden dazu an die Wände projiziert. Diese Impulse sollen einerseits das Besondere dieser Räume hervorheben und anderseits die Bedeutung des modernen Kirchenbaus aus dem zeitgeschichtlichen Kontext heraus erklären. Die Böhm-Kirche steht in der Ausstellung als zentrales Exponat stellvertretend für viele Kirchen der Nachkriegsmoderne. Das M:AI betrachtet in der Ausstellung wichtige liturgische Bereiche wie den Gemeinderaum und den Altarbereich, und es erläutert, wie dort liturgische Funktion und theologische Aussage die spezifische Raumgestalt geprägt haben. St. Gertrud verfügt noch über alle wichtigen liturgischen Ausstattungsstücke, unter anderem Altar, Taufbecken und Tabernakel – alle nach Entwürfen von Gottfried Böhm. Die Position dieser Prinzipalstücke im Raum, ihre liturgische Funktion und ihre besondere Gestalt werden erklärt. Kirchen sind Gebäude für den Ritus, aber auch gebaute Theologie. Das war zu allen Zeiten eine besondere gestalterische Herausforderung für Architekten. Der zweite Teil der Ausstellung veranschaulicht an rund 20 aktuellen Projekten in Text und Bild gelungene Konzepte für die Umgestaltung von Kirchengebäuden für andere Nutzungen. Dabei wird zum einen der Umgang mit dem Gebäude im Stadtraum betrachtet und zum anderen mit dem spezifischen Kircheninnenraum. St. Gertrud, fertiggestellt im Jahr 1965, bietet mit ihrer Fassade aus Sicht- und Waschbeton sowie ihrer asymmetrischen Form den idealen Raum für die Ausstellung. Darüber hinaus verkörpert der Ort selbst das Thema des veränderten Umgangs mit Kirchen: St. Gertrud ist seit 2010 unter anderem auch Veranstaltungsraum für Ausstellungen und Installationen. Vor der Entscheidung über Abriss, Umbau und Neunutzung stehen viele Kirchengebäude. Wie gehen wir mit diesen Bauten um, die in architektonischer, religiöser, aber auch kultureller Weise außergewöhnliche Räume erzeugen? In NRW beispielsweise gibt es rund 6.000 christliche Kirchen, von denen in den nächsten Jahren etwa 30 Prozent leer stehen werden. Gründe dafür sind unter anderem der demografische Wandel und eine säkularisierte Gesellschaft. Leerstehende Kirchen ohne neue Nutzung werden langfristig aus unseren Dörfern, Städten und Wohnquartieren verschwinden. Der Umgang mit diesem christlichen Erbe hat sich zu einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion entwickelt. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. November 2019 in st. gertrud: kirche + kultur, Krefelder Straße 57 in Köln zu sehen.

www.mai-nrw.de/fluchundsegen